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Seit
1777 können Damen und Herren auf die Bürsten der Firma Kent
zurückgreifen, wenn sie ihre Haare entwirren und pflegen möchten. Als
dieses Unternehmen vor über 220 Jahre gegründet wurde, ahnte sicher
niemand, dass Kent heute weltweit den Ruf genießt, die besten
Haarbürsten überhaupt herzustellen. Das Lieferprogramm umfasst
auch Kleiderbürsten, Zahnbürsten, Kämme und Rasierpinsel.
Natürlich gibt es auch andere sehr gute Bürstenmacher, doch keiner ist so berühmt wie Kent. Das liegt zum einen an der herausragenden Qualität, zum anderen aber auch an der Tatsache, dass der englische Offizier und seine Gattin Kent-Bürsten im Gepäck hatten, als sie sich
aufmachten, an irgendeinem Ort des britischen Empire Dienst zu tun. Die weltweite Verbreitung der Kent-Bürste begann also lange bevor dafür ein Vertriebsnetz aufgebaut wurde. Zudem verfügt Kent über ein Royal Warrant, das Abzeichen der Hoflieferanten, was nicht nur in' Vereinigten Königreich ein verkaufsförderndes Gütesiegel ist.
Eine gute Haarbürste hat drei Aufgaben. Zum einen glättet und entwirrt sie das Haar auf schonende Weise. Dies geschieht durch Wildschweinborsten. Im Gegensatz zu
Kunststoff- oder Metallborsten schädigen sie das Haar nicht, da sie selbst Haar- also Hornsubstanz- sind Je nach Haartyp gibt es unterschiedliche Borstenqualitäten von weich bis hart. Des weitern
reinigt eine Bürste das Haar gründlich von Staub, Schmutz und Schuppen. Die dritte Aufgabe der Haarbürste besteht darin das Haar zu pflegen also das natürliche Fett, das sich an der Haarwurzel sammelt, bis in die Haarspitzen zu verteilen. Dieses natürliche Fett ist ein hervorragendes Schutz- und Pflegemittel. Das Haar wird glänzend, und die Spitzen spalten sich nicht so schnell. Dieser Aspekt ist vor allem bei einer langen Mähne wichtig. Da man sich heute meist täglich den Kopf wäscht, ist der reinigende Aspekt nicht mehr so entscheidend. Dennoch ist jedes Haar dankbar, wenn es mit einer qualitativ hochwertigen Bürste gepflegt wird. Nicht umsonst
empfiehlt der New Yorker Arzt und Friseur Dr. George Michael in seinem Buch > Complete Hair Care for Men < die
Anschaffung einer guten Haarbürste.
Für den Herrn eignet sich das Model Milltary oval, eine oval geformte
Bürste ohne Stiel. Sie gibt es mit unterschiedlich starken Borsten, je nach Dicke des Haares. Die Herstellung der Bürsten ist sehr
aufwendig und geschieht bei den klassischen Wildschweinborsten-Modellen in Handarbeit. Dabei gibt es zwei Herstellungsmethoden. Die eine Methode heißt Stirneinzug. Dabei werden in den Bürstenkörper horizontal und der Länge nach winzige Kanäle gebohrt, durch die anschließend dünne Dr3~hte gezogen werden. Dann werden von oben vertikale Löcher in die Bürste gebohrt. Nun werden die
einzelnen Borstenbüschel um die Drähte gewunden. Bürsten, die nach dieser Methode hergestellt werden, sind sehr haltbar und können zudem neu mit Borsten besteckt werden.
Die zweite Methode ist das Deckeln. Dabei wird von dem Bürstenkörper horizontal eine Scheibe abgeschnitten. In diesen Deckel
werden Löcher für die Borstenbündel gebohrt, die Borsten hindurchgezogen und um Silber- oder Messingdrähte herumgeführt. Anschließend wird der Deckel mit den Borsten auf das Unterteil des Bürstenkörpers aufgesetzt und verschraubt. Auch diese Bürsten können neu besteckt werden.
(Das Haar Seite 38)
Aus: DER GENTLEMAN. HANDBUCH DER KLASSISCHEN HERRENMODE
Autor Bernhard Roetzel
In guten Buchhandlungen erhältlich, zum Preis von € 12,95
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